Geilenkirchen – Orte der Erinnerung für jüdische Mitbürger und andere Verfolgte in der NS-Zeit

Erinnern ist wichtig für die Zukunft

Richard Dahl aus Israel erzählt vom Schicksal seiner Familie – Orte der Verfolgungsgeschichte besucht

Artikel aus der Super Sonntag vom 03.02.2013.

Kreis Heinsberg. Zum Gedenktag der Befreiung von Auschwitz organisierte ein Bündnis aus evangelischen und katholischen Organisationen zusammen mit der „Initiative Erinnern GK" – in der Vertreter von Schulen, Kirchen und engagierte Einzelpersonen arbeiten – und mit Unterstützung des Bundesprojektes „Toleranz Fördern – Kompetenz Stärken" ein bewegendes Aktionswochenende.

Annähernd 60 engagierte Leute trafen sich zur „Fachtagung Erinnern" im Franziskusheim Geilenkirchen. Zur Eröffnung hielt Richard Dahl, ein Nachfahre von Geilenkirchenern jüdischen Glaubens, einen beeindruckenden Vortrag. Zusammen mit seiner Frau Sharon war er aus Israel angereist, um vom Schicksal seiner Familie zu erzählen. Danach lud Bürgermeister Fiedler die Dahls in einer bewegenden Feierstunde zur Eintragung in das Goldenen Buch der Stadt ein. „Mit der Eintragung in das Goldene Buch der Stadt wird die individuelle Erinnerung auf die öffentliche Ebene gehoben", betonte Fiedler.

Freuten sich über das Aktionswochenende (v.l.n.r.): Ralf Zanders, Christa Nickels, Sharon und Richard Dahl aus lsrael, Marion Höver-Battermann, Peter Pauli, Herr Keymer und Karl-Heinz Nieren.

Freuten sich über das Aktionswochenende (v.l.n.r.): Ralf Zanders, Christa Nickels, Sharon und Richard Dahl aus lsrael, Marion Höver-Battermann, Peter Pauli, Herr Keymer und Karl-Heinz Nieren.

Foto: privat

Es folgte ein Erfahrungsaustausch. Als Ergebnis wurden eine Reihe von Projekten für die zukünftige Erinnerungsarbeit festgehalten: Die Geschichtsvereine, Schulen und Träger der Jugendarbeit sollen gemeinsam mehr Angebote jugendgerechter Erinnerungsarbeit machen. Frank Zanders vom Büro der Regionaldekane lud alle Engagierten zur Veröffentlichung ihrer Arbeitsergebnisse und zur Vernetzung auf einer speziellen Internetseite der Regionaldekane ein und verwies auf das Angebot zur Gründung eines historischen Arbeitskreises für den Kreis Heinsberg. Über den Kreis Heinsberg soll die Erstellung einer Schriftenliste über alle Arbeiten zur Verfolgungsgeschichte von Gegnern des NS-Staates zusammengetragen und veröffentlicht werden. Die Geschichte kleinerer jüdischer Gemeinden, wie in Waldenrath, soll verstärkt in den Blick genommen werden, zum Beispiel bei einer Rundtour der Erinnerung im Jahr 2014.

Auf einer „Rundtour zu Orten der Verfolgungsgeschichte von Opfern des NS-Unrechtsregimes" durch den Kreis Heinsberg machte der Bus Halt an ehemaligen Orten jüdischen Lebens in Gangelt, Wassenberg und Erkelenz und schließlich am Bahnhof in Geilenkirchen, von wo aus Deportationszüge in die Vernichtungslager abfuhren. Die Teilnehmer nahmen eine Fülle von bewegenden Eindrücken mit nach Hause, aber auch neue Möglichkeiten sich dafür zu engagieren, dass die Namen, Gesichter und Geschichten der im Nationalsozialistischen Terrorregime Vertriebenen und Ermordeten wieder in unsere Ortsgeschichte zurückgeholt werden, um die Toten zu ehren und mit dazu beizutragen, dass in unserer Heimat nie wieder solcher Terror gegen Menschen ausgeübt werden kann. (red)

Spenden für Steine

Geilenkirchen. Im Gedenken an die Namensgeberin der Schule, Anita Lichtenstein, unterstützt der Förderverein der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule die Intention des Stolpersteinprojektes, die Namen der vertriebenen und ermordeten Geilenkirchener jüdischen Glaubens wieder in die Stadt zurück zu holen und ist bereit, das Projekt zu unterstützen. Wer die Finanzierung der Stolpersteine unterstützen möchte, kann seine Spende unter dem Stichwort „Stolpersteinprojekt GK" auf folgendes Konto überweisen: Förderverein Anita-Lichtenstein-Gesamtschule e.V. Geilenkirchen, Kreissparkasse Heinsberg, BLZ 312 51220, Konto 151852. (red)