Geilenkirchen – Orte der Erinnerung für jüdische Mitbürger und andere Verfolgte in der NS-Zeit

Kreisweit die Erinnerung an die NS-Opfer vertiefen

Artikel aus der Erkelenzer Zeitung vom 30.01.2013.

Kreis Heinsberg (RP) Zum Gedenktag der Befreiung von Auschwitz organisierte ein Bündnis aus evangelischen und katholischen Organisationen im Kreis Heinsberg mit der „Initiative Erinnern GK" (Geilenkirchen) ein bewegendes Aktionswochenende: Es trafen sich 60 engagierte Menschen aus der Region zur „Fachtagung Erinnern" in Geilenkirchen. Unterstützt wurde die vom Projekt „Toleranz fördern – Kompetenz stärken" des Bundesfamilienministeriums. Schirmherr war Landrat Stephan Pusch. Eröffnet wurde die Tagung mit einem eindrucksvollen Vortrag von Richard Dahl, einem Nachfahren von Geilenkirchenern jüdischen Glaubens. Mit seiner Frau Sharon war er aus Israel angereist, um vom Schicksal seiner Familie zu erzählen. Danach wurden Richard und Sharon Dahl von Geilenkirchens Bürgermeister Thomas Fiedler eingeladen, sich in einer Feierstunde in das Goldene Buch der Stadt einzutragen.

Hubert Rütten beeindruckte die Tagung mit seiner Darstellung der Erinnerungsarbeit in Erkelenz. „In keiner anderen Stadt im Kreis ist es bislang gelungen, in so vielfältiger und beeindruckender Weise an die in der Zeit des Hitlerregimes verfolgten, vertriebenen und ermordeten jüdischen Bürger der Stadt zu erinnern", berichtet Mitorganisatorin Christa Nickels. Rütten stellte die „Route gegen das Vergessen" mit ihren zwölf Stationen vor, berichtete über das Verlegen der zahlreichen Stolpersteine und über den „akustischen Stolperstein", das Verlesen der Namen der vertriebenen und ermordeten Erkelenzer jüdischen Glaubens am Sonntag von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Er erzählte von Projekten in den Schulen und wie die Arbeit dann weitere Kreise in der Öffentlichkeit gezogen hat, „Veröffentlichungen über die Auswirkungen des NS-Unrechtsregimes allein können wenig bewegen", sagte er.

Dazu sei unabdingbar die Anteilnahme der Stadtgemeinschaft nötig. Die Anregung von Rütten, eine Bibliographie aller Publikationen über die Verfolgungsgeschichte von Opfern des Nationalsozialismus im Kreis Heinsberg zu erstellen und öffentlich zugänglich zu machen, wurde ebenso positiv aufgenommen wie die Einladungvon Ralf Zanders vom Büro der Regionaldekane, die Arbeit der Initiativen auf einer eigenen Internetseite darzustellen und sie so zu vernetzen. Mit den Gästeführerinnen sollen Möglichkeiten besprochen werden, auch in anderen Städten „Routen der Erinnerung" wie in Erkelenz auf den Weg zu bringen.

Sonntag folgte eine Bustour durch den Kreis Heinsberg zu Orten der Verfolgungsgeschichte. „Von beiden Veranstaltungen nahmen die Teilnehmer eine Fülle von bewegenden Eindrücken mit nach Hause, aber auch neue Anregungen, sich zu engagieren", sagte Nickels.