Geilenkirchen – Orte der Erinnerung für jüdische Mitbürger und andere Verfolgte in der NS-Zeit

Steine gegen das Vergessen

„Initiative Erinnern Geilenkirchen“ sucht noch Spender.

Artikel aus der SuperSonntag vom 28.04.2013.

Geilenkirchen. Ein sonniger Dienstag brachte viele alte und junge Geilenkirchener, Schüler und Lehrer, Bürgermeister Fiedler, den katholischen Pfarrer Frisch und die evangelische Pfarrerin Bodewig sowie Vertreter aller Ratsfraktionen auf die Straßen der Stadt.

Nach zwei Jahren intensiver Vorarbeit der „Initiative Erinnern Geilenkirchen“ und einem einstimmigen Ratsbeschluss im Februar 2012 konnten die ersten 27 Stolpersteine vor acht Häusern durch den Kölner Aktionskünstler Gunter Demnig - tatkräftig unterstützt von einer Straßenbauerklasse der Berufsbildenden Schulen - verlegt werden.

Die „Initiative Erinnern Geilenkirchen“ sorgte dafür, dass in Geilenkirchen
die ersten Stolpersteine verlegt werden konnten.

Die „Initiative Erinnern Geilenkirchen“ sorgte dafür, dass in Geilenkirchen die ersten Stolpersteine verlegt werden konnten.

Foto: privat

Diese Stolpersteine geben Namen, Lebensdaten und Schicksale der in der Shoah vertriebenen und ermordeten Geilenkirchener jüdischen Glaubens wieder. Stolpern tut über diese gut verlegten Gedenksteine niemand mit den Füßen – aber in Gedanken und mit dem Herzen, denn sie wurden genau vor den Häusern verlegt, in denen die benannten Mitbürger einmal gelebt haben.

Und damit werden ihre Namen und die Erinnerung an ihr Leben und ihre Schicksale wieder in die Mitte der Stadt zurückgeholt, aus der sie einmal so grausam in die Flucht oder den gewaltsamen Tod getrieben worden sind.

Beginnend vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Lichtenstein und an weiteren sieben Häusern erinnerten Schüler der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule, der Realschule und der Berufsbildenden Schulen mit Fotos und bewegenden Worten an das Schicksal der einstmals in diesen Häusern lebenden Menschen.

Zeitzeugen, die als Kinder die Reichspogromnacht miterlebt hatten, berichteten von den Schandtaten der Nationalsozialisten und dem Leid der Opfer. Spender von Stolpersteinen – darunter die Freundin der ermordeten Anita Lichtenstein, Friederike Goertz - erzählten, warum es ihnen ein Herzensanliegen war, mit dazu beizutragen, die Erinnerung an die ehemaligen Mitbürger wieder in die Stadt zurückzuholen.

„Durch unser Handeln leben die Opfer der Shoah weiter, ihnen fühlen wir uns verbunden“, sagte Friederike Goertz. Bürgermeister Fiedler würdigte das Stolpersteinprojekt und sprach den in Geilenkirchen dafür Engagierten seinen Respekt aus. „Es sind Stolpersteine, die hier heute verlegt werden, es sind Meilensteine für die Arbeit gegen das Vergessen, sie werden aber eines nicht sein, nämlich Schlusssteine“, ermunterte der Bürgermeister dazu, sich auch weiter einzusetzen. In diesem Sinne werben die in der „Initiative Erinnern Geilenkirchen“ engagierten Vertreter von Schulen, Kirchen, der Ratsfraktionen und engagierten Einzelpersonen um Spenden für die Verlegung weiterer Stolpersteine in Geilenkirchen – etwa 70 stehen noch zur Verlegung an.

Spender gesucht

Wer die Finanzierung der Stolpersteine, rund 120 Euro pro Gedenkstein, in Geilenkirchen unterstützen möchte, kann seine Spende unter dem Stichwort „Stolpersteinprojekt GK“ auf das Konto des Fördervereins der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule bei der Kreissparkasse Heinsberg, Bankleitzahl 312 512 20, Kontonummer 151852, überweisen.