Geilenkirchen – Orte der Erinnerung für jüdische Mitbürger und andere Verfolgte in der NS-Zeit

Als Dankeschön zehn Bäume in Jerusalem gepflanzt

Geilenkirchen. Gebäude wurden längst durch modernere ersetzt, Papiere, Bilder und andere Erinnerungsstücke sind verschwunden, keine einzige Familie aus der damaligen Zeit ist hier in Geilenkirchen geblieben. Und doch hat sich eine Initiative gegründet, um all dem auf den Grund zu gehen, um die Spuren, die verwischt schienen, wieder sichtbar zu machen. Dass es eines Tages auch gelingen würde – in einem solch erfreulichen Ausmaß – konnte zunächst niemand ahnen.

Artikel aus der Geilenkirchener Zeitung vom 14.06.2013. Autor: Laura Beemelmanns

Lange Zeit waren die Themen Nazi-Regime und Holocaust in Geilenkirchen „blockiert“, wie Bürgermeister Thomas Fiedler es beschreibt. Heute sieht das ganz anders aus. Wenn Christa Nickels und Karl-Heinz Nieren, Mitglieder der Initiative gegen das Vergessen, über ihre Erfolge berichten, über die Geschichten, die sie nun erzählen können, über Familiengeheimnisse und über Spuren, die bis in die USA oder nach Israel führen, dann versinkt selbst der Zuhörer in längst vergessenen Zeiten.

Ein Beispiel für die gelungene Arbeit ist eine der vielen Familien Gottschalk. Einst lebte diese jüdische Familie in Geilenkirchen. „Insgesamt waren es vor dem Zweiten Weltkrieg rund 130 Personen“, sagt Karl-Heinz Nieren. Davon allein 13 Gottschalk-Familien in Bauchem, Hünshoven und Geilenkirchen. Sie gehörten zu einer der größten jüdischen Gemeinschaften in der Region, sagt er.

Setzen sich dafür ein, dass die Erinnerung für immer bleibt: Christa Nickels, Thomas Fiedler und Karl-Heinz Nieren (v.l.).

Setzen sich dafür ein, dass die Erinnerung für immer bleibt: Christa Nickels, Thomas Fiedler und Karl-Heinz Nieren (v.l.).

Foto: Laura Beemelmanns

All das haben seine Recherchen ergeben. Die führten im Fall Gottschalk nach Amsterdam. Denn dort leben die Nachkommen dieser einstigen Geilenkirchener Gottschalks. Bereits Mitte Mai kam ein Treffen zustande. Bürgermeister Fiedler hatte Rudi Gottschalk und seine beiden Töchter Juliette und Sabine im Rathaus empfangen.

Die Mitglieder der Initiative gegen das Vergessen verlegten für den Vater dieser Familie Gottschalk einen der inzwischen 27 Stolpersteine in der Konrad-Adenauer-Straße. Wochen vergingen. Bis eines Tages ein Brief in niederländischer Sprache auf dem Tisch von Thomas Fiedler landete. Darin ein Anschreiben mit ein paar netten Worten und eine Urkunde. „A Tree is planted in Israel“ steht darauf, und „die Familie Rudi Gottschalk dankt allen Beteiligten der Gemeinde Geilenkirchen für die Verlegung der Stolpersteine in Erinnerung an unsere Familienmitglieder und alle anderen Kriegsopfer in der Gemeinde Geilenkirchen.“ Ohne, dass jemand etwas davon wusste, sorgten die Gottschalks dafür, dass zehn Bäume als symbolisches Zeichen in Jerusalem gepflanzt wurden. Sie wollten Geilenkirchen und vor allem auch der Initiative gegen das Vergessen danken. „Die Familie war sehr berührt“, berichtet Fiedler über das Treffen. „Es war ein kurzes, aber sehr intensives Gespräch. Rudi Gottschalk ist ein Gentleman der alten Schule.“

Gottschalk wusste nicht viel über die Geschichte seiner Familie. Seine Eltern seien sehr verschwiegen gewesen, sagte er. Nieren konnte ihn dank seiner Recherchen darüber aufklären und etwas über seine Verwandten berichten. „Wir sind eine Ermöglichungsagentur“, sagt Christa Nickels scherzhaft. „Dass es so lebendig wird, hätten wir nie gedacht.“ All die Geschichten und Informationen sind nun greifbar. Nahezu alle Familien konnten identifiziert und zum größten Teil gefunden werden.

So sollen auch mit der Zeit noch etwa 100 Stolpersteine folgen. Aber Schritt für Schritt. „Es soll ja keine Massenveranstaltung werden“, sagt Nickels. Dass sich nun eine Familie bedankt, berührt alle Beteiligten sehr. Ihre Arbeit wird angenommen und arbeitet das auf, was andere den Familien einst genommen haben.


Brief an Bürgermeister Fiedler


Herrn Bürgermeister Thomas Fiedler

Stadt Geilenkirchen

Markt 9

52511 Geilenkirchen, Dld.




Sehr geehrter Herr Fiedler,


das Niederländische kann ich besser als das Deutsche, und Sie sind mit der niederländischen Sprache gut bekannt, also darum dieses Schreiben in Niederländisch, mit meiner Entschuldigung dafür.

Wir waren sehr unter dem Eindruck von all dem, was die Gemeinde Geilenkirchen zum Andenken an die Kriegsopfer in Bewegung gebracht hat und noch stets bringt, u. a. durch das Verlegen von Stolpersteinen.

Wir danken Ihnen dann auch von ganzem Herzen für die Einladung und sind froh, zu der Gelegenheit gekommen zu sein, um alles mit eigenen Augen anschauen zu können.

Sie und Ihre Mitarbeiter haben hiermit uns deutlich zu erkennen gegeben, dass was in der Vergangenheit geboren ist niemals mehr in der Zukunft geboren werden möge, niemals mehr geboren werden soll.

Unser besonderer Dank geht an Herrn Karl-Heinz Nieren, der schrecklich viel Arbeit verrichtet hat u. a. auch mit dem Herstellen eines Stammbaumes von unserer Familie, die zurückgeht bis zum Anfang der Jahre 1700…

Als Geste der Anerkennung haben wir für Sie und Ihre Gemeinde 10 Bäume pflanzen lassen im „Friedenswald“ in der Nähe von Jerusalem.

Nochmals herzlichen Dank und vielleicht sehen wir uns in der nahen Zukunft wieder in Geilenkirchen.



Mit herzlichen Grüßen


Rudi Simone Gottschalk

Juliette Jakobs-Gottschalk

Sabine Lewis-Gottschalk



Herr Bürgermeister Thomas Fiedler

Stadt Geilenkirchen

Markt 9

52511 Geilenkirchen, Dld.



Zeer geachte Heer Fiedler,


Het Nederlands gaat mij beter af dan het Duits, en u bent een goede bekende van de Nederlands taal, dus daaroom dit schrijven in het Nederlands, met mijn excuses daarvoor.

Wij waren zéér onder de indruk van al datgene, wat de Gemeente Geilenkirchen ter nagedachtenis aan de oorlogsslachtoffers in stand heeft gebracht en nog steeds brengt, o.a. door het plaatsen van de Stolpersteine.

Wij danken u dan ook van ganser harte voor de uitnodiging, en zijn bij in de gelegenheid gesteld te zijn om alles met eigen ogen te hebben mogen aanschouwen.

U en uw medewerkers hebben hiermede aan ons duidelijk te kennen gegeven, dat wat er in het verleden gebeurd is, nooit had mogen gebeuren en in de toekomst nooit meer zal mogen gebeuren.

Onze bijzondere dank gaat uit naar De Heer Karl-Heinz Nieren die antzettend veel werk verricht heeft o.a. ook met vervaardigen van een stamboom van onze Familie die terug gaat tot aan het begin van de jaren 1700…

Als geste van erkentelijkheid hebben wij voor U en Uw Gemeente 10 boomen laten planten in het „Woud voor de Vrede“ in de nabijheid van Jeruzalem.

Nogmaals hartelijk dank, en wellicht zien wij elkaar nogmaals in Geilenkirchen in de nabije toekomst.



Met hartelijke groeten,


Rudi Simone Gottschalk

Juliette Jakobs-Gottschalk

Sabine Lewis-Gottschalk