Geilenkirchen – Orte der Erinnerung für jüdische Mitbürger und andere Verfolgte in der NS-Zeit

Grußwort des Landrats

Grußwort des Landrats des Kreises Heinsberg, Stephan Pusch, an die Teilnehmer des Aktionswochenendes

Die Auseinandersetzung mit den Folgen von Rassismus und politischem Extremismus ist vielen Menschen und gesellschaftlich relevanten Gruppen im Kreis Heinsberg ein außerordentlich wichtiges Anliegen. Insbesondere die Aufarbeitung der Geschehnisse in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur von 1933 bis 1945 sowie das Gedenken an die vielen Opfer dieses furchtbaren Regimes sind auch auf lokaler Ebene von großer Bedeutung.

Vor 80 Jahren ergriff Hitler in Deutschland die Macht und übte sie mit seinen Schergen mit aller Gewalt aus, auch in dieser Region, in der bis dahin die Nationalsozialisten keine Mehrheit gefunden hatten. Diese Region hat unter der Nazi-Herrschaft gelitten und sich letztlich verändert – durch Terror, Verfolgung und den Zweiten Weltkrieg.

Ich habe schon anlässlich früherer Gelegenheiten hervorgehoben, dass diese Region keine „Insel der Glückseligen“ war. Auch hier fanden die Nazis Anhänger und Mitläufer, selbst wenn die Mehrheit schwieg, duldete und erduldete. Besonders die hier bei uns lebenden Mitbürgerinnen und Mitbürger jüdischen Glaubens wurden gedemütigt, verfolgt, schließlich deportiert und ermordet.

Schon im Jahr 2011 konnten wir im Kreis Heinsberg mit Hilfe des „Zuges der Erinnerung“ die Geschichte der Deportation von Menschen jüdischen Glaubens in unserer Region thematisieren. Mir hat sehr viel daran gelegen, dass dieser Zug an zwei Stationen im Kreisgebiet stoppte und viele Menschen diesen Zug aufsuchten und sich der Thematik stellten. Es waren erfreulicherweise sehr viele junge Menschen dabei.

Das Aktionswochenende am 26./27. Januar 2013 bietet erneut Gelegenheit, den Opfern zu gedenken, die dunkle Zeit lebendig werden zu lassen und Lehren daraus zu ziehen. Mittel und Wege, dieses Gedenken auszufüllen gibt es viele. Ein Weg zu einem stillen und wirksamen Gedenken sind die so genannten und inzwischen bundesweit bekannten „Stolpersteine“, die an verstorbene Mitbürger/innen jüdischen Glaubens erinnern. Und zwar dort, wo sie gelebt haben. Deshalb möchte auch ich dazu aufrufen, das Stolpersteinprojekt für Geilenkirchen zu unterstützen, um auch hier weitere Orte des Gedenkens zu schaffen. Unaufdringlich, aber eindringlich.

Der „Fachtagung Erinnern“ und der „Busrundtour Erinnern – Besuch von Orten der Verfolgungsgeschichte in der Zeit des Nationalsozialismus in der Region Heinsberg“ wünsche ich einen guten Verlauf. Die Aufarbeitung dieses dunkelsten Kapitels deutscher Geschichte darf auch heute, 80 Jahre nach der Machtergreifung Hitlers, nicht von der Tagesordnung verschwinden.

Ich danke allen, die am Zustandekommen des Aktionswochenendes beigetragen haben. Sie erweisen der Region hiermit einen wichtigen Dienst. Des Weiteren vermitteln Sie Blickweisen und Wissen, um Fremdenfeindlichkeit und Ausländerhass, um Rechtsradikalismus und Neonazis wirksam entgegentreten zu können.

Aus all diesen Gründen habe ich die mir angetragene Schirmherrschaft gerne und aus voller Überzeugung übernommen.

Es grüßt Sie herzlich

Stephan Pusch

Landrat des Kreises Heinsberg