Geilenkirchen – Orte der Erinnerung für jüdische Mitbürger und andere Verfolgte in der NS-Zeit

Zeitungsartikel - Geilenkirchener Zeitung vom 7. Juli 2017 2017-07-07

Bericht der Geilenkirchener Zeitung vom 7. Juli 2017

Geilenkirchen. Zur ersten Stolpersteinverlegung im Jahr 2017 hatte die Initiative Erinnern Geilenkirchen an die Sittarder Straße 68 eingeladen. Dieses Zeichen der Erinnerung setzten Anita-Lichtenstein-Gesamtschule, Gymnasium St. Ursula, Realschule und Berufskolleg gemeinsam mit Unterstützung der Kreissparkasse.

Hans Bruckschen, Sprecher der Initiative, moderierte die Verlegung von insgesamt 19 Stolpersteinen an vier Standorten. Er begrüßte neben den Schülern und Lehrern auch den Bundestagsabgeordneten Norbert Spinrath (SPD) und den stellvertretenden Bürgermeister Leo Kuhn („Geilenkirchen bewegen!“).

Start der Initiative

Kuhn erinnerte an den Start der „Initiative erinnern“ im Jahr 2011 und die Beschlussfassung im Rat. „Seitdem sind durch viel Engagement und Tatkraft zahlreiche Projekte durch das Netzwerk ins Leben gerufen worden,“ so Leo Kuhn. Er sei sehr froh darüber, „dass sich viele Menschen in dieser Stadt intensiv für die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in unserer Stadt und Region engagieren.“ Sie hielten das Andenken an die Opfer des nationalsozialistischen Unrechtsregimes in der Stadt Geilenkirchen lebendig.

An der Sittarder Straße wurde eine „Doppelverlegung“ vor Haus 68 vorgenommen. Der Künstler Gunter Demnig verlegte die Steine mit den Namen von Sophie Baum, Jenni Roer, Bernhard Baum, Max Baum, Carl Baum, Albert Baum, Helene Roer und Ilse Roer sowie gleich daneben mit den Namenszügen von Alex Baum, Caroline Baum, Regina Baum, Ludwig Baum und Berthold Baum, einem zweiten Zweig der Familie Baum.

Während der Künstler Stein für Stein mit den in Messing geprägten Namen ins Pflaster einließ, musizierten Schüler des Gymnasiums im Wechsel mit Wortbeiträgen, in denen Schülerinnen und Schüler eindringlich die Geschichte der Menschen darlegten, an deren Schicksal nun erinnert wird. Die Schüler hatten eigene Texte verfasst, Lara Kinkartz den folgenden über das Ehepaar Alexander (genannt Alex) und Carolina Baum (von Freunden Lina genannt), die drei Kinder hatten.

Lara Kinkartz: „Die ganze Familie hat damals so um 1939 rum hier in Geilenkirchen gelebt. Ich habe mich mit dem Vater der Familie Baum beschäftigt. … Ich stelle mir das Schicksal von Alexander Baum vor: Erst werden er und seine Familie von Freunden und Bekannten ausgeschlossen, und dann werden seine Frau und Tochter und schließlich auch er von den Nationalsozialisten ermordet.“ Dann folgten im Wortbeitrag die Geschichte davon, wie Jesus einer andersgläubigen Frau half. Die Schlussfolgerung: „Wir sollten Menschen respektieren, die einen anderen Glauben haben. Und nicht unsere eigene Religion mit Gewalt durchsetzen.“

1099 Orte in Deutschland

Die Verlegestelle in der Sittarder Straße 75 folgte mit den Stolpersteinen für Jeanette Gottschalk, Elli Gottschalk und Helene Gottschalk. Am Pappelweg 27 ließ Gunter Demnig Steine mit den Namen Albert Gottschalk, Jetta Gottschalk und Martha Gottschalk ein. Gunter Demnig erinnerte an den Beginn seiner als konzeptuelles Kunstwerk gedachten Aktion, die zu Stolpersteinverlegungen in 1099 Orten Deutschlands und in zwanzig Ländern Europas geführt hat. Damals habe ihn ein Lehrer gewarnt, das Thema hänge den Schülern zu den Ohren raus.

Der Künstler Gunter Demnig ist mit seiner Stolperstein-Aktion europaweit unterwegs. In Geilenkirchen folgten nun auf Einladung der Initiative Erinnern Geilenkirchen an vier neuen Standorten weitere Verlegungen, unter anderem an der Sittarder Straße.

Der Künstler Gunter Demnig ist mit seiner Stolperstein-Aktion europaweit unterwegs. In Geilenkirchen folgten nun auf Einladung der Initiative Erinnern Geilenkirchen an vier neuen Standorten weitere Verlegungen, unter anderem an der Sittarder Straße.

Foto: Dettmar Fischer

Gut, dass er nicht auf diesen Lehrer gehört hat.

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Artikel aus der Aachener Zeitung vom 19.01.2012. Autor: Georg Schmitz

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