Geilenkirchen – Orte der Erinnerung für jüdische Mitbürger und andere Verfolgte in der NS-Zeit

Jeder ist eine lebendige Bibliothek

Artikel aus der Kirchenzeitung für das Bistum Aachen - Ausgabe Heinsberg vom 03.02.2014. Autor: Petra Anna Thomas

Die Freundin von Anita

Die Freundin von Anita

Foto: Anna Petra Thoma s

Der Zug der Erinnerung, der 2011 in Heinsberg und Geilenkirchen Halt machte und an menschliche Schicksale erinnerte, war der Anstoß: Seitdem engagieren sich in der Region Heinsberg Menschen verstärkt in der Erinnerungsarbeit.

Ein voll besetzter Bus machte sich jetzt bereits zum zweiten Mal auf den Weg, um im Rahmen einer „Rundtour Erinnern" weitere Orte zu erkunden. Initiatoren waren der Katholikenrat, das Büro der Regionaldekane, das Katholische Forum, der evangelische Kirchenkreis und die Initiative „Erinnern" in Geilenkirchen.

Der Synagogenplatz in Geilenkirchen war Ausgangs- und Endpunkt der Erinnerungstour.
Pfarrerin Tanja Bodewig las hier aus Psalm 74 (Klage vor dem entweihten Heiligtum).

Der Synagogenplatz in Geilenkirchen war Ausgangs- und Endpunkt der Erinnerungstour. Pfarrerin Tanja Bodewig las hier aus Psalm 74 (Klage vor dem entweihten Heiligtum).

Foto: Anna Petra Thoma s

Ausgangs- und Endpunkt der rund sechseinhalbstündigen Fahrt war der Synagogenplatz in Geilenkirchen. Hier begrüßte die evangelische Pfarrerin Tanja Bodewig die Teilnehmer neben dem Gedenkstein für die 1869 erbaute Synagoge zu einem „nachdenklich-interessanten Tag".

Helmut Landscheidt wusste in Übach-Palenberg viel zu berichten über die Situation der Kriegsgefangenen und Fremdarbeiter.

Helmut Landscheidt wusste in Übach-Palenberg viel zu berichten über die Situation der Kriegsgefangenen und Fremdarbeiter.

Foto: Anna Petra Thoma s

Bereits im Bus berichtete Helmut Landscheidt, Kassierer im Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz im Kreis Heinsberg, über die Geschichte der Juden in Übach-Palenberg, vor allem aber über das große Lager für Kriegsgefangene und Fremdarbeiter an der Stelle, wo sich heute das Carolus-Magnus-Centrum befindet. Wieder zurück in Geilen kirchen, jetzt in der Erlöserkirche, informierte Ursula Lochter eindrucksvoll über den Widerstand des Hilfspredigers Emanuel Paskert gegen den Nationalsozialismus.

Was ausradiert werden sollte, entsteht neu

Bei einer Stärkung mit Brot, Apfelkraut, Schmalz und Äpfeln entspanen sich auch unter den Teilnehmern interessante Gespräche. „Jeder ist eigentlich eine lebende Bibliothek", befand Christa Nickels, die sich in der Initiative „Erinnern" engagiert. „So knüpfen sich neue Netze. Was ausradiert werden sollte, entsteht wieder neu!"

Der evangelische Pfarrer Mathias Schoenen informierte über die Bestattungskultur auf dem Friedhof in Gangelt.

Der evangelische Pfarrer Mathias Schoenen informierte über die Bestattungskultur auf dem Friedhof in Gangelt.

Foto: Anna Petra Thoma s

Nächstes Ziel war der jüdische Friedhof in Gangelt. Nicht nur von der Bestattungskultur der Juden hörten die Teilnehmer hier von Pfarrer Mathias Schoenen, sondern auch von den sogenannten grauen Bussen, mit denen Menschen mit geistiger Behinderung seinerzeit vom Kloster in Gangelt nach Hadamar abtransportiert und dort getötet worden seien, oder auch von Menschen mit Behinderung, die im Heinsberger Krankenhaus zwangsweise sterilisiert worden seien.

Holztafel zum Erinnern in der Pfarrkirche

Vorletzte Station der Tour war die katholische Kirche in Waldenrath mit ihrer Holztafel, in der die Namen aller getöteten jüdischen Mitbürger eingeschnitzt sind. Vorbei an dem Ort, wo einst in Straeten ein Bethaus stand, und vorbei am jüdischen Friedhof in Geilenkirchen ging es zum gemeinsamen Abschluss wieder zurück zum Synagogenplatz.