Geilenkirchen – Orte der Erinnerung für jüdische Mitbürger und andere Verfolgte in der NS-Zeit

Erinnerung an Schicksal der Juden -

"Initiative Erinnern Geilenkirchen": 20 neue Stolpersteine an fünf Orten verlegt

Artikel aus der Geilenkirchener Zeitung vom 06.06.2014. Autor: Jan Mönch

Diese vier Stolpersteine in der Konrad-Adenauer-Straße 175 erinnern an die einst hier wohnhafte Familie Gottschalk

Diese vier Stolpersteine in der Konrad-Adenauer-Straße 175 erinnern an die einst hier wohnhafte Familie Gottschalk

Foto: Jan Mönch - Geilenkirchener Zeitung

Geilenkirchen. Und wieder sind es ein paar Stolpersteine mehr. Sie liegen in der Konrad-Adenauer-Straße und der Sittarder Straße und erinnern an fünf Stellen an jüdische Mitbürger, die bis in die Zeit des sogenannten Dritten Reiches in Geilenkirchen lebten. Dann wagten sie die Flucht – oder sie wurden deportiert, viele ermordet.

Ein gutes Jahr ist es her, dass die ersten Stolpersteine verlegt wurden. Nun war es wieder soweit: Mitglieder und Unterstützer der „Initiative Erinnern Geilenkirchen“ zogen vom Rathaus aus los, um zusammen mit dem Aktionskünstler Gunter Demnig neue Steine ins Pflaster zu verlegen. 40 000 Stolpersteine hat Demnig bereits in ganz Europa gelegt. An den fünf neuen Stellen in Geilenkirchen sind nun insgesamt 20 hinzugekommen. „Die Stadt hatte über Jahrzehnte Angst, sich der Erinnerung zu stellen“, sagt Christa Nickels von der Initiative. Man habe Angst davor gehabt, dass es „böses Blut“ gibt.

Schulen als Paten

Diese Angst war offenbar unbegründet: Das zeigt der große Zuspruch, den auch die jüngste Stolperstein-Verlegung erhielt. Auch viele sehr junge Menschen sind dabei, denn vier Schulen haben Patenschaften übernommen: Die städtische Realschule für die Steine in der Konrad-Adenauer-Straße 175, das Berufskolleg Wirtschaft in der Konrad-Adenauer-Straße 252, die Anita-Lichtenstein-Gesamtschule in der Sittarder Straße 28 und 50 sowie das Gymnasium St. Ursula in der Sittarder Straße 57.

Während Demnig sein Werk tut, berichten Schüler aus den Biografien der Opfer des Nationalsozialismus. Grundlage hierfür ist die Recherche von Karl-Heinz Nieren.

„Wir als Deutsche wissen besser als jedes andere Volk dieser Erde, was passieren kann, wenn man sich dem Hass und der Verzweiflung hingibt und unüberlegt Radikalen sein Vertrauen schenkt“, so Schülersprecher Pascal Winter vom Berufskolleg Wirtschaft an einer der beiden Verlegestellen in der Konrad-Adenauer-Straße. „Somit liegt es an uns, dafür zu sorgen, dass die Masse nie wieder ihren Hass auf eine wehrlose Minderheit ergießen kann.“

Ergänzung vom 08.06.2014:

Geilenkirchen. An der jüngsten Verlegung von Stolpersteinen war auch das Berufskolleg Technik beteiligt. Darauf weist Christa Nickels von der „Intitiative Erinnern Geilenkirchen“ hin. Während die vier in unserem gestrigen Bericht genannten Schulen Patenschaften übernommen haben, assistierte die Straßenbauerklasse des Berufskollegs Technik dem Aktionskünstler Gunter Demnig beim Verlegen der Steine. Mit den Stolpersteinen soll an die Geilenkirchener Juden erinnert werden, die infolge der Nazi-Herrschaft aus Geilenkirchen fliehen mussten oder deportiert wurden. (red)