Geilenkirchen – Orte der Erinnerung für jüdische Mitbürger und andere Verfolgte in der NS-Zeit

Ansprache des Schülersprechers - Pascal Winter - des Berufskollegs Wirtschaft in Geilenkirchen am ehemaligen Wohnhaus der Familie Frohmann anlässlich der Verlegung der Stolperseine am 3. Juni 2014

VON PASCAL WINTER

Zuerst fiel es mir sehr schwer, Gedanken zu diesem Thema zu fassen und diese Rede zu halten und dies obwohl mir dieses Thema sehr am Herzen liegt. Doch, wenn man sie braucht, fallen einem die großen Worte, die man schon immer einmal loswerden wollte und die große Rede, die man schon immer halten wollte, nicht mehr ein.

Die Rettung brachte dann, Mitte letzter Woche, ein Schulkamerad von mir, als ich gerade grübelnd über den paar Worten saß, die ich für meine Rede schon zusammengetragen hatte. Als ich ihm erklärt hatte, für was ich diese Rede schrieb, stellte er mir eine Frage die mich fortan beschäftigte: Wieso stellen wir eigentlich noch ein Denkmal auf? Es gibt doch schon genug, wieso dann noch mehr aufstellen?

Das ist tatsächlich eine sehr gute Frage. Und die Antwort darauf ist denkbar einfach. Hier in diesem Land passierten vor rund siebzig Jahren die schrecklichsten Verbrechen, die jemals von Menschenhand verübt wurden. Sie waren so brutal und grauenhaft, dass man sich heutzutage kaum vorstellen kann, dass Menschen solche Schandtaten begehen können. Uns als Nachfahren dieses Landes fällt nun die Verantwortung zu, das Andenken an jene zu wahren, die in diesem Krieg und dem damit verbundenen Völkermord ihr Leben ließen.

Manche werden sich nun fragen: Der Krieg und seine Verbrechen sind siebzig Jahre her. Wieso hat dies denn heute in unserer so friedlichen Welt, in der wir leben, noch Bedeutung? Diese Menschen und auch alle anderen sollten wissen, dass just in diesem Moment, überall auf der Welt Minderheiten unterdrückt, politisch Andersdenkende verfolgt und Millionen von Menschen ob ihrer Herkunft verfolgt und nicht selten ermordet werden. Der Hass ist allgegenwärtig, sei es nun im Nahen Osten, in vielen Ländern Afrikas oder in Teilen Asiens. Sogar in unserem so scheinbar friedlichen Europa gewinnen Extremisten immer mehr Zulauf. Bestes Beispiel dafür ist die Europawahl, die erst zwei Wochen her ist. Die Rechten erhielten hier soviel Zulauf wie nie zuvor. Sie machen nunmehr fast 15 Prozent des EU-Parlaments aus!

Wir als Deutsche wissen besser als jedes andere Volk dieser Erde, was passieren kann, wenn man sich dem Hass und der Verzweiflung hingibt und unüberlegt Radikalen sein Vertrauen schenkt. Somit liegt es an uns, dafür zu sorgen, dass die Masse nie wieder ihren Hass auf eine wehrlose Minderheit ergießen kann. Es ist weiterhin unsere Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Schwachen und Wehrlosen Sicherheit und Geborgenheit in unserem Land finden.

Der Tag, an dem die Menschen in Frieden miteinander Leben werden und an dem jeder die Chance hat sich ganz individuell zu entfalten, ist wahrscheinlich noch fern. Bis dahin liegt es ganz besonders an uns, das Andenken an die Opfer des zweiten Weltkrieges zu wahren und Denkmäler oder Gedenkstätten wie diese zu errichten, um die Menschen und ganz besonders Jugendliche und junge Erwachsene für dieses Thema zu sensibilisieren. Und ich bin mir sicher, mit jedem Gedenkstein, den wir hier heute verlegen, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschen die Vergangenheit vergessen und es wird wahrscheinlicher, dass sich in Zukunft vor allem mehr Menschen mit diesem Thema auseinandersetzen und für den Frieden auf diesem Planeten kämpfen.

Vielleicht können wir durch unsere Bemühungen zeigen, dass das Opfer, was die Menschen damals brachten, nicht umsonst war und dass wir aus der Vergangenheit gelernt haben.

Mögen sie in Frieden ruhen.