Geilenkirchen – Orte der Erinnerung für jüdische Mitbürger und andere Verfolgte in der NS-Zeit

Ein Meilenstein auf dem langen Weg zur Versöhnung

Bürgermeister für Geilenkirchen

Es waren bewegende Momente gestern Abend im Ratssaal, und niemand unter den Anwesenden konnte sich der emotionalen "Aufladung" dieses Abends entziehen. Die vier älteren Herrschaften, die als jüdische Kinder Geilenkirchen mit ihren Familien verlassen mussten und in das Ungewisse flohen, vier Menschen mit lebenslangen Erinnerungen an viele Familienangehörige, die der Shoa zum Opfer fielen, sie brachten uns gestern Abend Freude, Dankbarkeit und ein so unerschütterliches "Ja" zum Leben dar, dass vielen der Anwesenden die Augen feucht wurden. Allein die Tatsache, dass sie mit ihren Ehegatten oder mit ihren Kindern den weiten Weg in eine Stadt auf sich genommen hatten, die sie am Anfang ihres Lebens vertrieben hatte, war als große Geste der Versöhnung schon kaum zu begreifen.

Da hatten Karl-Heinz Nieren, Christa Nickels und die anderen Mitglieder der "Initiative Erinnern Geilenkirchen" geduldige und liebevolle Vorarbeit geleistet. Die innere Heiterkeit und Güte, der Witz und Humor, und der wache Blick auf das Leben und seine Werte, den diese vier Gäste und ihre Begleiterinnen und Begleiter zeigten, haben uns in ihrem Umfang und ihrer Herzlichkeit überrascht. Dieser Besuch aus Israel und den USA ist wirklich ein Meilenstein auf dem langen Weg zur Versöhnung Geilenkirchens mit den jüdischen Familien, die 1938 eine Stadt mit einem regen jüdischen Gemeindeleben verlassen mussten. Die Erinnerungen an dieses "wunderbare Leben", wie es eine der Töchter aus den Berichten ihrer Vorfahren nannte, hat die Familien seit Jahrzehnten begleitet. So lebte in den Geschichten und Erinnerungen dieser Familien das Bild eines toleranten, weltoffenen und friedlichen Geilenkirchen vor der Naziherrschaft fort.

Dass wir jetzt die Möglichkeit haben, unseren Gästen diese Stadt wieder mit diesen zurückgewonnenen Qualitäten präsentieren und ihre Begeisterung und Dankbarkeit spüren konnten, war für alle Anwesenden ein großes Geschenk. Mit einem spontanen hebräischen Lied und sehr menschlichen Worten brachten Dina Friede, Meir Baum, Kurt Gottschalk und Issachar Ilan Ihre Freude und Dankbarkeit zum Ausdruck. Eine der Töchter sagte etwas sehr Bewegendes: "Ich bin eine Israelin und sehr stolz auf mein Land. Ich war noch nie in Deutschland. Und jetzt komme ich hierher und fühle mich, als wenn ich nach Hause gekommen wäre."

(Über ein ganz spezielles Geschenk unserer Gäste demnächst hier mehr