Geilenkirchen – Orte der Erinnerung für jüdische Mitbürger und andere Verfolgte in der NS-Zeit

Stimmen gegen das Vergessen

VON ANDREA SCHEVER

Geilenkirchen. Deutsch, Englisch, Französisch und am Ende dann noch Hebräisch – beim Begegnungskonzert der Geilenkirchener Schulen trafen nicht nur verschiedene Schulformen aufeinander, sondern auch verschiedene Sprachen und vor allem auch verschiedene Lebensalter und Erlebnisse.

Beim hebräischen Finallied sangen nicht nur alle Schülerinnen und Schüler gemeinsam, sondern auch das gesamte Publikum in und vor der Aula.

Beim hebräischen Finallied sangen nicht nur alle Schülerinnen und Schüler gemeinsam, sondern auch das gesamte Publikum in und vor der Aula.

Foto: Andrea Schever

Denn das mehr als zweistündige musikalische Programm, das von gleich sechs Schulen aus Geilenkirchen gestaltet wurde, wurde zu Ehren der vier Geilenkirchener Shoa-Überlebenden veranstaltet.

In der Aula des St. Ursula-Gymnasiums fanden sich Vokal- und Instrumentalgruppen der Gemeinschaftsgrundschule Gillrath, der Katholischen Grundschule Immendorf, der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule, der Städtischen Realschule, des St.-Ursula-Gymnasiums und des Berufskollegs Wirtschaft.

Die Bandbreite reichte von Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ (St. Ursula) über Rolf Zuckowskis „Schule ist mehr“ (Grundschule Immendorf) bis hin zum Chart-Hit „Nie vergessen“ von Glasperlenspiel (Anita-Lichtenstein-Gesamtschule). Das vom Projektchor der Gesamtschule gesungene „Schön, dich zu sehn“ sprach auch in Englisch zum Publikum. Bei den namenlosen Selbstkompositionen Tim Schachtzabels war dem Auditorium Zeit und Raum für eigene innere Bilder gegeben.

Sehr viel Aufwand betrieben

Ein aufwendig gestaltetes Programmheft begleitete das Publikum gleich in zwei Sprachen durch den Abend – der englische Teil half vor allem den Kindern der heute in Amerika und Kanada wohnenden Gäste. Erfreut und stolz waren an diesem Abend nicht nur die Mitglieder der Initiative Erinnern Geilenkirchen, Christa Nickels und Karl-Heinz Nieren, sondern auch der Schulleiter von St. Ursula, Jürgen Pallaske, die Abteilungsleiterin I der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule, Christel Wolter, und Geilenkirchens stellvertretender Bürgermeister Leonhard Kuhn. Christa Nickels versprach den Überlebenden in ihrer kurzen Rede, dass sie und ihr Vermächtnis von nun an in Geilenkirchen nie mehr in Vergessenheit geraten werden.

Auch Thomas Kamphausen, der zusammen mit Maria Slagboom für die musikalische Leitung verantwortlich war, war stolz, diese einmalige und neuartige Konzertform mitgestalten zu dürfen. Trotz des organisatorischen Aufwandes sieht er die Begegnung der Schüler mit den Überlebenden wie auch untereinander im Vordergrund.

Auch für den Fall, dass mehr Besucher kommen, als in die Aula passen, war gesorgt: Mithilfe einer Außenleinwand konnten zahlreiche Besucher dank des guten Wetters das Konzert auch auf dem Schulhof verfolgen. Während der Pause bot sich für Interessierte die Möglichkeit, mit den vier Überlebenden ins Gespräch zu kommen oder sich in das ausliegende Gästebuch einzutragen.

Der fulminante Abschluss machte dem Gemeinschaftssinn alle Ehre: Beim bekannten hebräischen Lied „Hevenu shalom alechem“ („Wir wünschen Frieden für alle“) stimmten nicht nur alle Schulen an, sondern auch das gesamte Publikum in und vor der Aula.