Geilenkirchen – Orte der Erinnerung für jüdische Mitbürger und andere Verfolgte in der NS-Zeit

27 neue Steine verlegt

„Initiative Erinnern Geilenkirchen“ gedenkt jüdischer Mitbürger.

Es war ein sonniger Tag, der viele Geilenkirchener auf die Straßen brachte: Sie schauten dem Kölner Aktionskünstler Gunter Demnig zu, der die ersten 27 Stolpersteine vor acht Häusern verlegte.

Artikel aus der Kirchenzeitung vom 02.06.2013.

Mit dabei waren Pfarrer beider christlichen Kirchen, Bürgermeister Thomas Fiedler und Vertreter des Stadtrats sowie Mitglieder der „Initiative Erinnern Geilenkirchen“. Demnig wurde bei seiner Arbeit tatkräftig unterstützt von einer Straßenbauerklasse des Berufskollegs.

Gunter Demnig 
bei der Verlegung
in Geilenkirchen.

Gunter Demnig bei der Verlegung in Geilenkirchen.

Foto: privat

Die Stolpersteine geben Namen, Lebensdaten und Schicksale der in der Shoah vertriebenen und ermordeten Geilenkirchener jüdischen Glaubens wieder. Verlegt wurden sie vor den Häusern, in denen sie gelebt haben.

Beginnend vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Lichtenstein und an weiteren sieben Häusern erinnerten Schüler der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule, der Realschule und der Berufskollegs mit Fotos und bewegenden Worten an das Schicksal dieser Menschen. Zeitzeugen, berichteten von den Schandtaten der Nationalsozialisten und dem Leid der Opfer.

Spender von Stolpersteinen, darunter die Freundin der ermordeten Anita Lichtenstein, Friederike Goertz, erzählten, warum es ihnen in Herzensanliegen war, mit dazu beizutragen, die Erinnerung an die ehemaligen Mitbürger wieder in die Stadt zurückzuholen: „Durch unser Handeln leben die Opfer der Shoah weiter, ihnen fühlen wir uns verbunden.“

Vor dem früheren Wohnhaus der 1943 in Sobibor ermordeten Alwin und Selma Gottschalk meldete sich dann ein besonderer Gast zu Wort: Die kleine Tochter der Gottschalks konnte damals überleben, weil eine holländischen Familie, die selbst zwei Töchter hatte, sie unter Lebensgefahr versteckte. Nun hatte es sich eine dieser beiden Töchter nicht nehmen lassen, eigens von Goch anzureisen um bei der Stolpersteinverlegung für die Eltern ihrer „Schwester“, die heute in Israel lebt, dabei zu sein. Diese hatte von der Aktion über die Internetseite www.erinnerung-geilenkirchen.de erfahren. In ihrem persönlichen Brief, den Schülerinnen der Realschule vorlasen, berichtete sie davon, wie erstaunt und froh die Überlebenden und die Nachfahren der vertriebenen und ermordeten Geilenkirchener jüdischen Glaubens darüber sind, dass nach so vielen Jahrzehnten ihrer Verwandten in der früheren Heimatstadt auf ehrenvolle Weise gedacht wird.

„Es sind Stolpersteine, die hier heute verlegt werden, es sind Meilensteine für die Arbeit gegen das Vergessen, sie werden aber eines nicht sein, nämlich Schlusssteine.“ Damit ermunterte Bürgermeister Fiedler dazu, das Projekt fortzusetzen.

Spendenaufruf für weitere Steine

In diesem Sinne werben die in der „Initiative Erinnern Geilenkirchen“ engagierten Menschen um Spenden für die Verlegung weiterer Stolpersteine in Geilenkirchen, unter dem Stichwort „Stolpersteinprojekt GK“ auf das Konto des Fördervereins der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule bei der Kreissparkasse Heinsberg 31251220, Konto-Nr. 151852.